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Ob Unternehmen innovativ sind oder nicht, kann man im Wesentlichen auf die Frage zurückführen, wie gut sie ihre Fähigkeit entwickeln, mit Widersprüchen oder Paradoxien umzugehen.

Intelligenz und Innovation in Unternehmen hängt davon ab, welche Informationen wahrgenommen werden und wie die wichtigen Informationen ihren gebührenden Stellenwert erhalten (was man leider erst im Nachhinein wissen kann). Manchmal sind es Details, die man wahrnimmt oder übersieht.
Das Seltsame bei Innovationen ist, dass man immer an einem anderen Punkt herauskommt und ein anderes Ergebnis erzielt, als man ursprünglich dachte.


Sherlock Holmes
Der legendäre Sherlock Holmes war deshalb so erfolgreich, weil er etwas sah, was andere übersahen. In der Geschichte „Silberstrahl“ finden wir den Dialog zwischen Holmes und einem Inspektor von Scotland Yard

Inspektor:
„Gibt es noch etwas, auf das Sie meine Aufmerksamkeit lenken möchten?“

Sherlock Holmes:
„Auf das merkwürdige Ereignis mit dem Hund in der Nacht.“

Inspektor:
„Der Hund hat in der Nacht nichts getan.“

Sherlock Holmes:
„Genau das war eben das merkwürdige Ereignis.“

Holmes findet den Dieb des Rennpferdes „Silberstrahl“, weil er erkannte, dass die Nicht-Reaktion des Hundes zur Lösung des Falls führte. Der Hund kannte den Pferdedieb und bellte deshalb nicht.

 

 
Planen und Lücken suchen

Management wird heute vielfach noch gleichgesetzt mit Planungsdenken. Der Manager plant, die Mitarbeiter führen aus. Das gehört zum Kern vieler Unternehmen und der Organisationen. Wenn es aber kaum noch um Routineabläufe und -produkte geht, wenn unter anderen Verhältnissen nur Neues den Erfolg oder das Überleben der Organisation sichert, muss neben dem Plan etwas anderes mitlaufen. Das Management stellt dann um auf Innovation. Unterschiede werden beobachtet, aus denen sich Fragen ergeben: verpassen wir an dieser Stelle eine Gelegenheit, in welchen Bereichen beobachten wir ein größeres Wachstum, haben wir es mit unbedeutenden oder bedeutenden Veränderungen zu tun, haben wir unsere Prototypen falsch angesetzt, worauf achtet niemand und wo finden wir die Lücke?




Sechs Ausgangspunkte zur Innovation

Innovation ist nicht
-  das Ergebnis von rationaler Planung

Innovation versteht man nicht,
-   wenn man von Kausalität (und dazu ausgerichteten Organisationen) ausgeht

Innovation kann auch beschrieben werden als
-   das Ergebnis von Auseinandersetzung mit der Paradoxie der Injunktion:
    Man (das Unternehmen, das Management, die Branche) lässt sich zu etwas
    auffordern und weil andere auch darauf reagieren, kommt etwas in Gang
-   oder man trifft selbst eine Unterscheidung, fordert selbst zu etwas auf (was
    vielleicht alle bisher ignorieren oder anders machen) und beobachtet die
    Reaktion der Außenwelt, um daraus neue Schlüsse zu ziehen

Innovationen verdanken sich
-    Zufällen und Entdeckungen von Gelegenheiten (weniger Absichten)
-    Hartnäckigkeiten
-    Verweigerungen 

Innovationen brauchen
-     Organisationen, die Komplexität zulassen
-     Kommunikation innerhalb der Organsiation und mit der Außenwelt
-     ein Management, das das Unternehmen immer wieder mit der Frage 
      konfrontiert, ob unerwartete Erfolge oder unerwartete Misserfolge
      auftauchen (was dann sofort Priorität erhält)

Innovieren heißt,
-     Möglichkeitsräume erweitern
-     Lücken suchen
-     Kimme, Schuss! Korn und nicht: Kimme, Korn, Korn, Korn, Korn, Korn, ...
     

 
              "Innovation isn't what innovators do....it's what customers and
              clients adopt."

                                                                Michael Schrage
 

              „Paradoxien empfinde ich als ausgesprochen reizvoll.
              Sie sehen so etwas und versuchen zu verstehen, wie um Himmels
              willen könnte das einen Sinn ergeben?!
              Selbst das ist paradox: Ich habe viel für Paradoxien übrig,
              und gleichzeitig will ich sie aus der Welt schaffen!“


                                                                Roger Penrose, Mathematiker

 
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